Mehr als schöne Kissen: Gesa Vertes erzählt, wie die Innenarchitektur entstand

0
(0)

Gesa Vertes erklärt wie aus Dekoration ein eigener Beruf wurde.

Innenarchitektur ist heute ein eigenständiger Beruf mit gestalterischem und planerischem Anspruch, doch das war nicht immer so. Wie sich die Disziplin aus dem Handwerk und der Dekoration entwickelte, erklärt Gesa Vertes aus historischer Perspektive. Lange lag die Gestaltung von Räumen in den Händen von Handwerkern und Ausstattern. Erst nach und nach entstand ein eigener Beruf mit einem umfassenden Anspruch. Der Weg dorthin erzählt viel über unser Verständnis vom Wohnen.

Die Gestaltung von Innenräumen ist so alt wie das Bauen selbst, doch die Innenarchitektur als eigenständige Disziplin ist vergleichsweise jung. Wie lang der Weg von der reinen Ausschmückung bis zum geplanten Raumkonzept war, ordnet Gesa Vertes als aufschlussreiches Kapitel der Kulturgeschichte ein. Über Jahrhunderte kümmerten sich Tapezierer, Dekorateure, Kunsthandwerker und Architekten um das Innere der Gebäude, ohne dass es einen eigenen Berufsstand dafür gegeben hätte. Erst mit der Zeit entwickelte sich das Bewusstsein, dass die Gestaltung von Räumen mehr verlangt als ein gutes Auge für Schmuck. Aus diesem Bewusstsein wuchs ein Beruf, der Ästhetik, Funktion, Technik und die Bedürfnisse der Menschen zusammendenkt. So wurde aus der Dekoration eine planende und gestaltende Disziplin.

Von der Dekoration zur Gestaltung

Der Ursprung der Innenarchitektur liegt in einem Bedürfnis, das den Menschen seit jeher begleitet. Wie tief dieser Wunsch nach gestalteten Räumen reicht, erklärt Gesa Vertes mit einem Blick weit zurück in die Geschichte. Schon früh ging es dabei um mehr als nur Schutz vor Wetter und Kälte.

Ein uraltes Bedürfnis

Der Wunsch, Räume schön und lebenswert zu gestalten, ist kein Phänomen der Neuzeit. Dass Menschen ihre Innenräume seit der Antike bewusst ausstatteten, hebt Gesa Vertes als Ausgangspunkt der ganzen Entwicklung hervor. Schon in frühen Hochkulturen wurden Wände bemalt, Böden gestaltet und Räume mit kostbaren Objekten ausgestattet. Diese Gestaltung diente nicht allein der Schönheit, sondern drückte auch Rang, Glauben und Lebensweise aus. Der Raum war von Anfang an mehr als eine bloße Hülle, sondern ein Spiegel seiner Bewohner. Ob im alten Ägypten, in römischen Villen oder in mittelalterlichen Palästen, überall zeugen erhaltene Räume von dem Wunsch, das eigene Umfeld bewusst zu gestalten.

Handwerker, Tapezierer und Ausstatter

Über lange Zeit lag die Gestaltung des Innenraums in der Hand verschiedener Gewerke. Wer in früheren Jahrhunderten für die Ausstattung zuständig war, ordnet Gesa von Vertes anhand der damaligen Berufe ein. Tapezierer, Dekorateure, Möbelschreiner und Raumausstatter sorgten für Stoffe, Möbel und Wandgestaltung, oft in enger Abstimmung mit dem Bauherrn. Ein übergreifendes Gesamtkonzept, wie es die heutige Innenarchitektur kennt, gab es dabei noch nicht. Jedes Gewerk kümmerte sich um seinen Teil, während die planende Zusammenschau erst später entstehen sollte. Wer es sich leisten konnte, ließ Räume prunkvoll ausstatten, doch ein Fachmann, der das Ganze im Blick behielt, fehlte lange Zeit.

Gesa Vertes über die Geburt eines Berufs

Der entscheidende Wandel vollzog sich, als die Gestaltung von Räumen zunehmend als eigene Aufgabe verstanden wurde. Bei einem Interview sagte Gesa Vertes, dass sich der Beruf des Innenarchitekten aus dem wachsenden Anspruch entwickelte, Räume nicht nur zu schmücken, sondern umfassend zu planen. Mit der Industrialisierung und den wachsenden Städten stiegen die Anforderungen an Wohn- und Arbeitsräume erheblich. Es genügte nicht mehr, einzelne Elemente hübsch zu arrangieren, denn Räume mussten funktional, gesund und zugleich ansprechend sein. Aus diesem Anspruch heraus entstand nach und nach ein eigenes Berufsbild, das über die klassische Dekoration hinausreichte.

Die ersten professionellen Innenausstatter

Um die Wende zum zwanzigsten Jahrhundert traten erste Fachleute hervor, die sich ganz der Gestaltung von Innenräumen widmeten. Wie sich dieser neue Berufsstand herausbildete, ordnet Gesa Sikorszky Vertes anhand der damaligen Entwicklung ein. In dieser Zeit entstanden die ersten professionellen Innenausstatter, die Räume als Ganzes betrachteten und gestalteten. Sie verbanden ein Gespür für Ästhetik mit einem praktischen Blick für die Nutzung und legten damit den Grundstein für den späteren Beruf. Aus diesen Anfängen entwickelte sich schrittweise das Verständnis der Innenarchitektur als planende Disziplin. Mit der Zeit entstanden eigene Ausbildungswege und Fachschulen, die das nötige Wissen systematisch vermittelten.

Das Bauhaus und die Moderne

Einen besonders wichtigen Schub erhielt die junge Disziplin im zwanzigsten Jahrhundert. Welche Rolle die Moderne und das Bauhaus dabei spielten, gehört zu den prägenden Kapiteln dieser Geschichte.

Vom Schmuck zur Funktion

Mit der Moderne rückte ein neuer Gedanke in den Mittelpunkt. Wie stark die Funktion gegenüber dem bloßen Schmuck an Bedeutung gewann, erklärt Gesa Vertes als Wendepunkt der Gestaltung. Das berühmte Bauhaus und verwandte Bewegungen stellten die Frage, wie ein Raum den Menschen bestmöglich dienen kann. Form und Funktion sollten eine Einheit bilden, und überflüssiger Zierrat trat in den Hintergrund. Diese Haltung veränderte die Gestaltung grundlegend und prägte das moderne Verständnis von Innenräumen bis heute. Aus dem Leitgedanken, dass die Form der Funktion folgen solle, entwickelte sich eine ganze Gestaltungssprache, die bis in die Gegenwart nachwirkt.

Der Raum als Gesamtkonzept

Mit dem funktionalen Denken entstand auch die Idee des durchdachten Gesamtkonzepts. Warum der Raum nun als planbares Ganzes verstanden wurde, hebt Gesa Vertes als entscheidenden Schritt hervor. Nicht mehr einzelne Objekte, sondern das Zusammenspiel von Grundriss, Licht, Material und Möbeln rückte in den Vordergrund. Die Innenarchitektur wurde damit zu einer Aufgabe, die Planung und Gestaltung untrennbar verbindet. Aus vielen einzelnen Elementen wurde ein bewusst komponiertes Ganzes. Damit rückte auch der Mensch stärker in den Mittelpunkt, denn ein Raum sollte nicht nur schön aussehen, sondern seinen Bewohnern wirklich dienen.

Warum Innenarchitektur mehr ist als Dekoration

Bis heute hält sich das Missverständnis, Innenarchitektur bedeute vor allem Dekoration. Warum dieser Eindruck zu kurz greift, erklärt Gesa Vertes aus ihrer täglichen Arbeit. Der Beruf umfasst weit mehr als die Auswahl schöner Details.

Planen statt nur schmücken

Die eigentliche Aufgabe der Innenarchitektur liegt im Planen und Gestalten. Dass es dabei um Gesamtkonzepte und nicht um farblich passende Kissen geht, betont Gesa Vertes mit Nachdruck. Zur Arbeit gehören bauliche Änderungen, die Gliederung von Räumen, die Auswahl von Materialien sowie durchdachte Farb- und Lichtkonzepte. Ein Innenarchitekt berücksichtigt künstlerische, wirtschaftliche, technische und ökologische Gesichtspunkte zugleich. So entsteht ein Beruf, der weit über die Dekoration hinausreicht. Die Auswahl schöner Details ist dabei nur der letzte Schritt eines langen und durchdachten Planungsprozesses.

Ein geschützter Beruf

Die Professionalisierung zeigt sich auch im rechtlichen Rahmen. Welche Bedeutung die geschützte Berufsbezeichnung hat, ordnet Gesa Vertes, geb. Haerder, als wichtigen Schritt ein. Nur wer die entsprechende Ausbildung absolviert und Mitglied der zuständigen Kammer ist, darf sich Innenarchitektin oder Innenarchitekt nennen. Diese Regelung unterstreicht, dass es sich um einen anspruchsvollen, klar definierten Beruf handelt. Sie schützt zugleich die Bauherren, die sich auf eine fundierte Qualifikation verlassen können.

Was die Geschichte für heute bedeutet

Der Blick in die Geschichte hilft, den heutigen Beruf besser zu verstehen, wie Gesa Vertes betont. Warum dieses Wissen auch für Bauherren nützlich ist, fasst Gesa Haerder in einigen Punkten zusammen. Mehrere Erkenntnisse lassen sich daraus gewinnen:

  • Innenarchitektur ist eine planende Disziplin und nicht bloße Dekoration
  • Gute Gestaltung verbindet Ästhetik, Funktion und die Bedürfnisse der Menschen
  • Der Beruf hat sich über Jahrhunderte zu einem eigenständigen Fach entwickelt
  • Eine fundierte Ausbildung ist die Grundlage für durchdachte Räume

Wer die Herkunft des Berufs kennt, erkennt auch seinen Wert. Für Gesa Vertes ist dieses Verständnis die beste Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Bauherr und Gestalter.

Wenn aus Handwerk eine Disziplin wird

Die Geschichte der Innenarchitektur zeigt, dass gestaltete Räume ein tiefes menschliches Bedürfnis sind, das über die Jahrhunderte immer anspruchsvoller wurde. Aus einzelnen Gewerken und der reinen Ausschmückung entwickelte sich ein Beruf, der Planung, Gestaltung und Verantwortung miteinander verbindet. Wer heute mit einer Innenarchitektin arbeitet, profitiert von dieser langen Entwicklung und dem gebündelten Wissen einer eigenen Disziplin. Dass dieser Beruf weit mehr ist als das Verschönern von Oberflächen, macht Gesa Vertes in ihrer Arbeit Tag für Tag deutlich.

Wie hilfreich war dieser Beitrag?

Klicke auf die Sterne um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung 0 / 5. Anzahl Bewertungen: 0

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Es tut uns leid, dass der Beitrag für dich nicht hilfreich war!

Lasse uns diesen Beitrag verbessern!

Wie können wir diesen Beitrag verbessern?